Microneedling: Ablauf, Wirkung und Nachsorge im Überblick

Microneedling klingt nach mehr Dramatik, als in der Behandlung steckt. Feinste Nadeln setzen tausende winzige Kanäle in die Haut, und der Körper reagiert darauf so, wie er auf jede kleine Verletzung reagiert: mit Reparatur. Genau dieser Reparaturvorgang ist das Ziel. Wir erklären, was dabei in der Haut passiert, wie eine Sitzung abläuft, was danach zu beachten ist und für wen das Verfahren nicht in Frage kommt.

Was in der Haut passiert

Ein Dermapen oder ein Dermaroller führt sterile Nadeln in einer definierten Tiefe über die Haut, üblicherweise zwischen 0,25 und 2,5 Millimetern. Die entstehenden Mikrokanäle schließen sich innerhalb weniger Stunden wieder. In der Zwischenzeit läuft in der Lederhaut ein Umbau an: Fibroblasten werden aktiviert, neues Kollagen und Elastin werden gebildet, das Gerüst unter der Oberfläche wird dichter.

Der zweite Effekt ist mechanischer Natur. Solange die Kanäle offen sind, nimmt die Haut aufgetragene Wirkstoffe deutlich besser auf als über die geschlossene Hornschicht. Deshalb wird während oder direkt nach der Behandlung häufig Hyaluronsäure eingearbeitet.

Wofür es eingesetzt wird

  • feine Linien und eine insgesamt fahle, unebene Hauttextur
  • Aknenarben und andere eingesunkene Narben
  • erweiterte Poren im Wangen- und Nasenbereich
  • Dehnungsstreifen an Bauch, Oberschenkeln und Gesäß
  • ungleichmäßige Pigmentierung, allerdings mit Vorsicht bei dunkleren Hauttypen

Der Ablauf einer Sitzung

Vor der ersten Behandlung wird der Hautzustand beurteilt und die Nadeltiefe festgelegt. Zu tief ist nicht besser, sondern nur reizender. Danach wird die Haut gereinigt und desinfiziert, meist folgt eine betäubende Creme, die etwa zwanzig bis dreißig Minuten einwirkt.

Die eigentliche Behandlung dauert je nach Fläche dreißig bis sechzig Minuten. Sie spüren ein Vibrieren und ein leichtes Kratzen, an knöchernen Stellen wie Stirn und Kinn deutlicher als an den Wangen. Punktuelle kleine Blutungen sind normal und erwünscht, sie zeigen, dass die richtige Tiefe erreicht ist. Zum Abschluss wird ein beruhigendes Serum aufgetragen.

Für ein sichtbares Ergebnis wird üblicherweise eine Serie von drei bis sechs Sitzungen im Abstand von vier bis sechs Wochen angesetzt. Kollagen braucht Zeit, das Endergebnis zeigt sich frühestens nach acht bis zwölf Wochen.

Nachsorge: die 48 Stunden danach

Direkt nach der Behandlung ist die Haut gerötet und warm, vergleichbar mit einem leichten Sonnenbrand. Kühle Auflagen beruhigen. In den ersten 24 bis 48 Stunden gilt: keine Säuren, kein Retinol, kein Duftstoff, kein Make-up, keine Sauna, kein Schwimmbad, kein Sport mit starkem Schwitzen.

Der wichtigste Punkt ist der Sonnenschutz. Frisch behandelte Haut reagiert empfindlich auf UV-Strahlung, und ohne konsequenten Schutz über mindestens zwei Wochen riskieren Sie genau die Pigmentflecken, die Sie eigentlich loswerden wollten. Lichtschutzfaktor 50, jeden Tag, auch im Winter.

Nebenwirkungen und Gegenanzeigen

Üblich sind Rötung, Schwellung und eine leichte Schuppung an den Tagen zwei bis vier. Seltener treten kleine Blutergüsse oder eine vorübergehende Verschlechterung des Hautbildes auf. Bei unsauberer Arbeit oder zu früher Kosmetik drohen Entzündungen.

Nicht behandelt wird bei akuter Akne mit Pusteln, bei einem Rosacea-Schub, bei aktiven Herpesbläschen, bei Blutgerinnungsstörungen, in der Schwangerschaft sowie bei Neigung zu wulstigen Narben. Bei dunkleren Hauttypen wird die Nadeltiefe konservativer gewählt, weil das Risiko einer nachfolgenden Pigmentierung höher liegt.

Kosten

Microneedling ist eine ästhetische Leistung ohne Kassenbeteiligung. In Deutschland beginnen die Preise für eine Gesichtsbehandlung meist bei etwa 150 bis 200 Euro je Sitzung, Kombinationen mit Eigenblut liegen deutlich darüber. Da eine Serie üblich ist, lohnt sich die Frage nach einem Paketpreis.

Häufige Fragen

Tut Microneedling weh?

Mit betäubender Creme bleibt es für die meisten Menschen bei einem unangenehmen, aber gut auszuhaltenden Kratzen. Ohne Betäubung und bei größerer Nadeltiefe wird es deutlich spürbar, vor allem an Stirn und Kinn.

Wie unterscheidet sich das Gerät beim Arzt vom Roller für zu Hause?

Vor allem in der Nadeltiefe und in der Hygiene. Geräte für die Heimanwendung arbeiten mit sehr kurzen Nadeln und wirken fast ausschließlich auf die Aufnahme von Pflegeprodukten. Alles darüber gehört in geschulte Hände, weil sonst Narben und Infektionen möglich sind.

Wann sieht man das Ergebnis?

Ein frischerer Eindruck stellt sich oft nach einer Woche ein, der eigentliche Umbau im Bindegewebe braucht acht bis zwölf Wochen. Bewerten Sie das Ergebnis deshalb nicht vor Abschluss der Serie.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Beratung noch eine Diagnose. Auf dieser Website werden keine Behandlungen angeboten oder vermittelt.

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