Die Kryotherapie ist eines der ältesten Verfahren der Dermatologie und immer noch eines der praktischsten. Flüssiger Stickstoff mit minus 196 Grad wird für Sekunden auf eine umschriebene Hautveränderung gebracht, die Zellen darin frieren, die Eiskristalle zerstören die Zellstrukturen, und der Körper räumt den Rest ab. Wir beschreiben, wofür das Verfahren eingesetzt wird, wie eine Sitzung abläuft und was in den Tagen danach passiert.
Was beim Vereisen passiert
Der Effekt entsteht auf zwei Wegen. Zum einen bilden sich innerhalb und außerhalb der Zellen Eiskristalle, die Membranen zerreißen. Zum anderen ziehen sich die kleinen Gefäße im Gewebe zusammen und schließen sich, sodass der behandelte Bereich von der Versorgung abgeschnitten wird.
Entscheidend sind Dauer und Zahl der Frier-Tau-Zyklen. Zweimal kurz gefroren mit Auftauphase dazwischen wirkt deutlich stärker als einmal lang. Genau hier liegt der Unterschied zwischen der Anwendung in der Praxis und den Sprays für zu Hause, die nur eine geringe Kältetiefe erreichen.
Typische Anwendungsgebiete
- Warzen an Händen und Füßen sowie Dellwarzen bei Kindern
- aktinische Keratosen, also lichtbedingte Verhornungen an Stirn, Glatze und Handrücken
- Alterswarzen und andere gutartige Hautanhänge
- kleine Fibrome und Stielwarzen an Hals und Achseln
- begrenzte Narbenwucherungen, in Kombination mit anderen Verfahren
Der Ablauf
Die Behandlung braucht keine Vorbereitung und keine Betäubung. Der Stickstoff wird mit einer Sprühpistole oder mit einem Wattetupfer aufgebracht, üblicherweise für fünf bis dreißig Sekunden je nach Befund und Lokalisation. Sie spüren ein Brennen, das während des Auftauens kurz stärker wird und dann nachlässt.
Die gesamte Sitzung dauert selten länger als zehn Minuten. Bei hartnäckigen Befunden werden zwei bis vier Termine im Abstand von zwei bis vier Wochen angesetzt.
Die Tage danach
Zunächst wird die Stelle weiß, dann rot und schwillt leicht an. Innerhalb von 24 Stunden kann sich eine Blase bilden, gelegentlich mit blutigem Inhalt. Das ist eine erwartete Reaktion und kein Zeichen für einen Fehler.
Die Blase sollte nicht geöffnet werden. Darunter bildet sich neue Haut, während die Decke als natürlicher Verband dient. Nach etwa sieben bis zehn Tagen trocknet der Bereich ein, eine Kruste fällt ab, und darunter liegt frische, zunächst rosafarbene Haut.
- Stelle trocken und sauber halten, kurz duschen ist erlaubt
- Kruste nicht abkratzen und Blase nicht anstechen
- Sonnenschutz auf der neuen Haut über mehrere Wochen
- bei zunehmender Rötung, Schmerz oder Eiter ärztlich vorstellen
Grenzen und Risiken
Die häufigste Nebenwirkung ist eine bleibende Aufhellung der behandelten Stelle, weil pigmentbildende Zellen kälteempfindlich sind. Bei dunkleren Hauttypen fällt das stärker auf, deshalb wird dort zurückhaltender gearbeitet. Möglich sind außerdem eine vorübergehende Taubheit über Nervenbahnen, die dicht unter der Haut verlaufen, sowie in seltenen Fällen kleine Narben.
Nicht eingesetzt wird das Verfahren bei unklaren pigmentierten Hautveränderungen. Dort wird zuerst untersucht und nicht vereist, weil eine Kryotherapie den Befund zerstört, bevor er beurteilt werden konnte. Vorsicht gilt außerdem bei Durchblutungsstörungen an Zehen und Fingern sowie bei Kälteunverträglichkeit.
Kostenübernahme
Bei medizinischer Indikation, etwa bei Warzen oder aktinischen Keratosen, wird die Behandlung von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen. Werden gutartige Hautanhänge aus ästhetischen Gründen entfernt, handelt es sich um eine Selbstzahlerleistung, die je nach Aufwand meist zwischen 30 und 100 Euro liegt.
Häufige Fragen
Tut das Vereisen weh?
Es brennt für einige Sekunden, an Fingerkuppen und Fußsohlen deutlicher. Ein Nachziehen über ein bis zwei Stunden ist normal und lässt sich mit Kühlung gut aushalten.
Reicht ein Vereisungsspray aus der Apotheke?
Für einzelne, oberflächliche Warzen kann er ausreichen. Er erreicht deutlich weniger Kältetiefe als flüssiger Stickstoff, weshalb tiefe oder wiederkehrende Befunde in die Praxis gehören.
Wie oft muss behandelt werden?
Bei Warzen häufig zwei bis vier Sitzungen, bei aktinischen Keratosen oft eine bis zwei. Wiederholungen sind kein Rückschlag, sondern beim Vereisen der Regelfall.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Beratung noch eine Diagnose. Auf dieser Website werden keine Behandlungen angeboten oder vermittelt.